Lesehappen on tour - das Buchmesse-Special

Donnerstag

 

Jedes Jahr die gleichen Szenen auf den Rolltreppen der Frankfurter Buchmesse: verzweifelte Gesichter und ratlose Blicke, wenn es darum geht, einen Weg von Standort A nach Zielort B zu finden, bevor Person C schon wieder nach D, E oder F verschwunden ist.

Gefolgt von der Frage, die sich irgendwann auf dem Weg zwischen Halle 3.0 und 4.1 einstellt: "Wo ist Standort A überhaupt?"

Und: "Bin ich auch da?"

 

Selbst erfahrene Messegänger müssen sich erst wieder an die unzähligen Hallen und Gänge gewöhnen. Das führt leider wie so häufig an den Rolltreppen zu Aufläufen (und nicht im guten Kartoffelsinne), wenn jemand am Ende direkt davor stehenbleibt, um sich umzusehen und zu orientieren.

Denn auch hier gilt eines der wichtigsten physikalischen Gesetze: „Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein.“

Und wo ein Körper mit Rollkoffer ist schon gleich gar nicht.

Das beschert bereits am ersten Messetag blaue Flecken und schmerzende

Hacken, wenn wieder einmal jemand in seinen Vorgänger hineinläuft.

 

Dass man während der Messetage die meiste Zeit hungert, wird sowieso einkalkuliert, da die langen Schlangen und die für winzige Gnome auf Diät ausgelegten Portionen eine Sättigung verhindern.

Dafür schlägt man sich am Abend den Bauch voll, was wiederum zu Bauchkneipen und schlechten Träumen führt. Macht aber nichts, so Alpträume kann man schließlich immer zur Inspiration für eine Kurzgeschichte brauchen.

 

All das gehört einfach zu einer Messe dazu, und außerdem sind wir ja auf einer Mission - Lesehappen-Wundertüten unter die Leute zu bringen -, und so stürzen wir uns auch am zweiten Tag gut gelaunt ins Getümmel, den Plan fest in der einen, das Handy in der anderen Hand.

Wir haben eine ungefähre Vorstellung davon, wen wir alles treffen wollen, und hoffen sehr, dass auch dieses Jahr irgendwer eine funktionierende Kaffeemaschine am Stand hat.

 

Natürlich will jeder Autor am Stand seines Verlages vorbeigehen (siehe Kaffee), also versuchen wir uns abzustimmen, was dem Einsatzplan einer mittelgroßen Armeeeinheit gleichkommt.

Offiziell ist das der Stand der Edition Phantasia, inoffiziell wird er nur noch „der Zufluchtsort“ genannt.

Allerdings sind wir nicht die Einzigen, die das so sehen, und so herrscht bei Verleger Joachim Körber ein reger Andrang von Autoren, Übersetzern und Lektoren, die alle auf einen Sitzplatz, einen Kaffee und lustige Gespräche hoffen.

Man könnte auch sagen: eine Sozialstation für Autoren.

Manchmal wird auch über Bücher geredet, aber häufiger über die Geschichten aus wilder Jugendzeit am Rande der Legalität.



Anna Kuschnarowa vor dem Streifenplakat zu ihrem Roman Junkgirl am Stand von Beltz & Gelberg.

Es kostet uns ungefähr ein Dutzend Überredungsversuche, Frau K. dazu zu bringen, sich davor zu postieren, und erst das Versprechen: „Wirklich, es guckt kein Mensch!“ schafft das Undenkbare – natürlich bleiben prompt zwei neugierige Frauen stehen und gucken, was uns einen erbosten Blick von Frau K. einbringt.

Dieser Blick befindet sich jedoch auf einem anderen Bild, das aus Sicherheitsgründen in einem Schweizer Tresor lagert.



Auf einem der (zahlreichen) Sektempfänge bemerken wir einen Mann, der sich die Bierflasche, die er an der Bar kostenlos erhält, einfach in die Tüte steckt.

Entweder hat er eine spezielle Sehschwäche, die ihn statt grün und rot Flaschen mit Katalogen verwechseln lässt …

Oder er hat den klassischen Messe Greifreflex („Was umsonst ist, muss mit. Ich guck dann daheim, ob ich‘s überhaupt brauchen kann.“) …

Oder er hat einfach nur Durst und ist zu geizig für die Minibar im Hotel.

Was auch immer, Einsacken gehört zur Messe wie der von wenig Höflichkeit und Rücksicht geprägte Kampf um den Platz in der Schlange vor den Toiletten.

 

 

Freitag

Während der drei Tage, die wir uns auf der Messe tummeln, treffen wir jede Menge nette Kollegen, unter anderem auch den Illustrator Klaus Scherwinski, der nicht nur für seine tollen Bilder bekannt ist, sondern auch für seine schicken Hemden, wie er mit diesem wieder einmal bewiesen hat.

Zusammen mit Kathleen Weise ergibt sich damit allerdings eine spannende Farbkombination (-explosion?), die bei längerem Hinsehen möglicherweise zu schweren Sehstörungen führen könnte. 

Boris Koch diskutiert mit einem heranwachsenden Drachen, der sich selbst für einen ausgestorbenen Dinosaurier hält!

Ein einhelliges Ergebnis wurde nicht erzielt, jeder beharrte auf seiner Wahrheit aus seinem Buch, und als Herr K. schließlich zum nächsten Sekt davonstapfte, war nicht klar, ob wirklich der Klügere nachgegeben hatte …



Das kommt dabei heraus, wenn man Illustratoren und Autoren an den Ständen Sekt und Bier trinken lässt. Sie halten sich plötzlich für so eine Art Superhelden und posieren auch gleich mal als solche.

Oder doch eher: Wenn ich groß bin, will ich Türsteher werden?

Men in Black (oder grün) ohne Aliens?

Wir wissen es nicht genau, freuen uns aber darüber, dass die beiden am Image der schreibenden Zunft arbeiten, auch wenn wir noch nicht wissen, was wir von dem Ergebnis halten sollen …



 

Samstag

Für den Erfolg muss man arbeiten, das wussten schon unsere Großmütter – und so füllen wir auf den letzten Drücker noch ein paar Wundertüten für die Lesehappen-Aktion am Samstag auf der Messe.

Dass das Ganze natürlich wieder mal länger dauert als geplant, weil mehr geschwatzt als gearbeitet wird, ist dabei fast schon klar. Doch unter den interessierten Blicken der Vorbeieilenden wird signiert, eingetütet und geklebt und pünktlich zur Signierstunde ist alles fertig (einschließlich der Autoren).


Die Vereinbarung lautete leichtsinniger Weise: Wir verteilen Lesehappen-Wundertüten auf der Messe.

Natürlich kann das der Herr Koch wieder nicht wie jeder andere machen, sondern stellt sich in Wachturm-Pose auf.

Sehr zur Erheiterung der Besucher, die ihm wie gewünscht, die Tüten aus der Hand reißen, vermutlich weil er mit seinen braunen Augen und dem verwundeten Blick ein so großes Mitleid erweckt …



Nach getaner Arbeit (Sekt trinken kann so anstrengend sein!) verlassen wir das Gebäude eigentlich immer zum Zeitpunkt der hereinbrechenden Nacht oder später, und im Lichterglanz der Laternen schafft es selbst Frankfurt irgendwie nett auszusehen.

Am letzten Abend sehen wir sogar noch einen Hasen über die Wege hoppeln. Dabei wird er leider von einer Schar Raben verfolgt …



Am Ende sind wir übernächtigt, heiser und erledigt und das Fazit für dieses Jahr lautet wie immer: Zum Glück ist es vorbei – und natürlich kommen wir nächstes Jahr wieder!

 

Wir danken allen Kollegen und Lesern für die netten, anregenden und unterhaltsamen Gespräche und hoffen, wir sehen euch alle im März in Leipzig auf ein großes Schwarzes!



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28.03.12 in Interviews

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11. April 2012

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